Aus drei Jahren wurden über 32 Jahre: Küsterin Christine Linz wird in den Ruhestand verabschiedet

Küsterin Christine Linz geht nach gut 32 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand (Foto: Olaf Koeritz)

Die Verabschiedung von Frau Linz wird am 13. Januar um 10 Uhr im Gottesdienst stattfinden.

Pastor Olaf Koeritz: Wie lange sind Sie jetzt im Dienst?

Christine Linz: Ich bin jetzt 32,5 Jahre hier im Dienst. Eine unglaublich lange Zeit. Am Anfang dachte ich, dass ich vielleicht drei bis vier Jahre bleiben würde. Niemals hätte ich damals daran gedacht, dass es so eine lange Zeit werden würde. Ich wusste am Anfang ja gar nicht, was das ist: der Beruf der Küsterin.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten ­Arbeitstag?

Ja, das war ein Feiertag, der 1. Mai 1986 (lacht).

Am nächsten Tag dann begann meine Arbeit. Ich bekam ein Schlüsselbund in die Hand gedrückt und Frau Bode, die Sekretärin, hat mir ein bisschen etwas erzählt. Ich hatte am Anfang gar keine Ahnung. Mein Schwager war in der Zachäuskirche Küster, von dem habe ich mir das ein oder andere erzählen lassen. Und dann bin ich Stück für Stück in die Arbeit hinein­gewachsen. Und Herr Kern, der damalige Kantor und Organist, der hat mir auch das ein oder andere erzählt.

Was war die Zeit über die Tätigkeit, die Ihnen am meisten am Herzen lag?

Nun, das waren sicherlich die Vorbereitung und Begleitung der Gottesdienste und die Pflege der Kirche. Herr Rüttgart, der Pastor, bei dem ich meinen Dienst begonnen habe, der hat immer zu mir, aber auch zu anderen, gesagt: Sie müssen die Kirche immer so behandeln, als wäre es Ihre eigene Kirche. Und danach habe ich mich versucht zu richten. Und dann kamen nach der Renovierung der Kirche die Trauungen hinzu, die immer mehr wurden. Ich erinnere mich an ein Jahr, in dem wir 40 Trauungen hatten. Da habe ich mich dann immer intensiver darum kümmern müssen. Bis heute. Ich habe sie auch nie gezählt, aber es waren wirklich viele Trauungen, die ich im Laufe der Zeit erlebt habe.

Hat sich bei der Begleitung der Trauungen etwas verändert?

Oh ja, durchaus. Die Traupaare, die planen heute alles 150-prozentig. Sie haben ganz genaue Vorstellungen. Früher habe ich einfach das Gesangbuch verteilt für die Trauung – heute gibt es immer einen Liederzettel.

Was waren sonst noch Ihre Aufgaben?

Am Anfang hatte ich auch noch die Pflege der ganzen Außenanlagen. Dabei haben mir dann oft mein Mann und auch unsere Kinder geholfen. Damals hatten wir auch noch viele Gruppen und Kreise – mehr als heute. Zum Beispiel einen Seniorenkreis mit 90 Teilnehmer/innen, die sich alle 14 Tage trafen. Das Eindecken, das haben zwar die ehrenamtlichen Leiterinnen gemacht, aber das Stellen der Tische, das war immer meine Aufgabe. Oder als die Kirche renoviert wurde, da fand einige Jahre der Gottesdienst im Gemeindehaus statt – und ich musste für jeden Gottesdienst 90 Stühle stellen.

Wenn Sie auf diese Zeit zurückblicken, was hat sich aus Ihrer Sicht verändert?

Nun, zum einen, dass es jetzt nur noch eine Pastorenstelle in der Gemeinde gibt. Und dann gab es damals noch sehr viel mehr ehrenamtliche Mitarbeitende und viel mehr Gruppen und Kreise als heute: Taizé-Gruppe, Werkkreis, Jugendgruppen … Jedes Jahr hatten wir am 3. Advent einen Adventsbazar rund um die Kirche – gemeinsam mit den Vereinen. Es war damals viel los – und immer wieder gab es auch Aufgaben, die dann im Laufe der Zeit bei mir gelandet sind, wenn z. B. eine Gruppe aufgehört hatte. So hat sich auch meine Arbeit im Laufe der Zeit immer wieder einmal verändert. Manchmal war es ganz schön viel. Aber ich habe dadurch viele Menschen kennengelernt. Gerade in den Anfangsjahren war das gut und hilfreich.

Worauf freuen Sie sich besonders, wenn Sie jetzt in den Ruhestand gehen?

Schauen Sie: Ich zähle noch nicht meine Tage. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich das tun müsste. Aber ich freue mich natürlich jetzt darauf, mehr Zeit zu haben für die Dinge, die vorher etwas kurz kamen. Ich kann jetzt das Wochenende auch immer frei machen und für mich planen, etwas, das ich ja sehr lange so nicht konnte. Und dann lasse ich auf mich zukommen, was sich ergibt. Da mache ich heute noch keinen Plan.
Ich gehe auf jeden Fall mit einem lachenden und auch einem weinenden Auge. Vieles, was ich getan habe, hat mir sehr viel Freude bereitet – und jetzt bin ich gespannt auf das, was kommt.

Liebe Frau Linz, vielen Dank für das Gespräch!

(Die Fragen stellte Pastor Olaf Koeritz)


Erste fahrradmobile Kirche in Hannover präsentiert

Die "Tiny Church" in der Herrenhäuser Kirche (Foto: Koeritz)

Mit festlichen Trompetenklängen wurde am Reformationstag in der Herrenhäuser Kirche die erste „Tiny Church” Hannovers, eine fahrradmobile Kirche, der Öffentlichkeit präsentiert. Das mobile „Gotteshaus”, das Sitzgelegenheiten für zwei Personen bietet, wird künftig auf öffentlichen Plätzen und Märkten dazu dienen, mit Menschen über Gott und die Welt ins Gepräch zu kommen.

Der Name “Tiny Church” – zu deutsch: winziges Kirchlein – nimmt die Idee der “Tiny Houses”, kleiner Wohnhäuser, die auf einem Trailer montiert und damit transportabel sind, auf.
Sollten Sie in nächster Zeit auf einem der Märkte die “Tiny Church” erblicken, gilt auch für Sie: “Herzlich willkommen! Treten Sie näher!”

Pastor Gerd Peter
(Kirchengemeinde Ledeburg-Stöcken)

Hier sind handwerkliches Geschick und  Kreativität gefragt:  Pastor Gerd Peter  beim Zusammensetzen  der Einzelteile in  der Bauphase.

Geschafft:  Die „Tiny Church” hat ihre Jungfernfahrt von der Bodelschwinghkirche zur Herrenhäuser Kirche  unbeschadet  überstanden.

Unter den gespannten Blicken der Gottesdienstbesucher wurde die „Tiny Church” am Reformationstag in wenigen Minuten mit geübten Handgriffen von Pastor Gerd Peter zu einer einladenden kleinen Kirche entfaltet und wartet nun auf ihre ersten Einsätze in unseren Stadtteilen (v. l. n. r.: Pastor Gerd Peter, Pastor Olaf Koeritz, Pastorin Annette Charbonnier, Pastorin Claudia Schubert)

Jahreslosung 2018

(Grafik: GEP)